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Hier finden Sie aktuelle News und Pressemitteilungen rund um den Branchentag Windenergie NRW.

13.06.2019

Bestimmung der Standortgüte nach Inbetriebnahme – Herausforderungen der TR 10

(Autorin: Katharina Garus)

Das EEG 2017 hat es festgelegt: Nach  fünf, zehn und fünfzehn Jahren Betriebszeit muss die Standortgüte einer Windenergieanlage auf Grundlage der realen Betriebsdaten überprüft werden. Wie genau das abzulaufen hat, beschreibt die Technische Richtlinie 10 (TR 10) der Fördergesellschaft Windenergie e.V. (FGW).

Doch was vom Gesetzgeber in Textform leicht festzuschreiben war, lässt sich in der Praxis gar nicht so leicht realisieren. Das wurde nicht nur im Rahmen der Ausarbeitung der TR 10 deutlich, sondern treibt auch jetzt schon alle Branchenteilnehmer um, die sich mit der Umsetzung der Richtlinie beschäftigen – vom Anlagenbetreiber über den Gutachter bis zum Anlagenhersteller.

Der 11. Branchentag Windenergie NRW, der am 26. und 27. Juni im KOMED in Köln stattfindet, widmet der Bestimmung der Standortgüte nach Inbetriebnahme einer Windenergieanlage gemäß TR 10 deswegen einen eigenen Workshop. Die Teilnehmer haben die Gelegenheit, sich auf den aktuellen Stand bezüglich der Anforderungen der TR 10 zu bringen und Probleme und Herausforderungen zu diskutieren.

Rahmenbedingung, Anforderungen, Herausforderungen

Die Rahmenbedingungen stellt Bente Klose vor, die bei der FGW den Fachausschuss Betriebsdaten und Standortertrag betreut, der die TR 10 bearbeitet und weiterentwickelt. „Die TR 10 spezifiziert die im EEG festgelegte Überprüfung der Standortgüte nach fünf, zehn und fünfzehn Betriebsjahren über ein regelbasiertes Verfahren. Der Fachausschuss arbeitet aktuell intensiv an der Weiterentwicklung der Richtlinie um eine praktikable Umsetzung und ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten“, erzählt sie im Vorfeld.

Benjamin Böhme von der windtest grevenbroich gmbh wird im Anschluss die Herausforderungen aus Sicht eines Gutachters beschreiben. Dabei berichtet er unter anderem von ersten Vorversuchen, die windtest grevenbroich gemeinsam mit einigen anderen akkreditierten Gutachterbüros absolviert hat. „In der praktischen Umsetzung stellt sich für uns die Frage, wie wir zum Beispiel mit Lücken bei den Betriebsdaten umgehen“, berichtet er von Herausforderungen in der Praxis.

Denn die langjährige Datenspeicherung und -vorhaltung ist eine der Anforderungen, mit denen sich die Betriebsführer künftig konfrontiert sehen. Davon weiß in Köln Till Schorer von der wpd windmanager GmbH & & Co. KG zu berichten, der neben dieser auch auf weitere neue Anforderungen an die Betriebsführung durch die TR 10 hinweisen wird. „Durch die neuen Festlegungen im EEG 2017 und der TR 10 kommen erweiterte Pflichten auf Betreiber und Betriebsführer zu, die in ihren Auswirkungen nicht unterschätzt werden sollten“, sagt er.

Und zu guter Letzt spielen natürlich auch die Anlagenhersteller eine wichtige Rolle. Denn sie müssen gemäß TR 10 alle überhaupt möglichen Betriebszustände ihrer Anlagen den fünf in der Richtlinie definierten  Statuscodes zuordnen. „Als Hersteller ist man immer dazu aufgefordert, möglichst viele und global einheitliche Rohdaten zu liefern. Bei lokalen Herausforderungen wie der TR 10 muss daher herstellerseitig eine Transparenz zur Auswertung gewährleistet sein“, macht Andreas Nitsch von der Nordex Energy GmbH deutlich, warum sich ein Besuch des Workshops auf dem Branchentag Windenergie NRW lohnen wird.

Kontakt:

Klaus Lorenz

Lorenz Kommunikation

Tel. +49 2182 57878-10, E-Mail: k.lorenz@lorenz-kommunikation.de

03.06.2019

Umfrage von E&M: PPA als zentraler Treiber für den weiteren Ökostromausbau

Power Purchase Agreements sind im Kommen (Autor: Dr. Ralf Köpke)

Meldungen, wie diese, wird es in der heimischen Energiewirtschaft künftig viel häufiger geben: In der zweiten Maiwoche verkündete der Projektentwickler PNE AG den Abschluss einen mehrjährigen Power-Purchase Agreement (PPA) mit LichtBlick. Ab 2021 wird Deutschlands größter Ökostromanbieter mit dem dann „förderfreien“ Grünstrom aus einem Windpark in Niedersachsen seine Kunden direkt versorgen. Förderfrei heißt: Nach 20-jähriger Vergütung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten die zehn Windenergieanlagen in Papenrode (Landkreis Helmstedt) keine staatliche Förderung mehr. Sprich, für den Weiterbetrieb alter Wind- und Solarkraftwerke sind neue Einnahmequellen notwendig.

Nicht wegen dieser sogenannten „Ü-20-Anlagen“ gewinnen PPA derzeit auf dem deutschen Energiemarkt zunehmend an Bedeutung. Nach einer jüngsten Studie des Beratungsunternehmens Enervis Energy Advisors werden über PPA finanzierte Wind- und Solarprojekte bis 2020 lediglich 1 % der installierten grünen Kraftwerksleistung in Europa ausmachen. Doch die Quote soll bis Mitte der 2020er-Jahre sprunghaft ansteigen.

Für Anfang der 2030er-Jahre erwartet Enervis, dass der Zubau erneuerbarer Energien fast vollständig auf PPA-Basis erfolgt. Zehn Jahre später werde europaweit sogar die Hälfte aller installierten Wind- und Solarparks dank PPA-Verträgen in Betrieb sein − PPA werden dann das Standardinstrument für deren Finanzierung sein. Bislang erfolgte der Zubau in Europa fast ausschließlich über staatliche Förderregime wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Eigentlich sind diese direkten PPA-Stromlieferverträge zwischen Erzeugern und meist Industriebetrieben vor allem im angelsächsischen und skandinavischen Raum bereits ein alter Hut. Hierzulande bestand für Energieversorger, Direktvermarkter, Betreiber von Ökokraftwerken oder Projektentwickler bislang kein Anlass, solche Kontrakte abzuschließen: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bot allen mit seiner 20-jährigen Laufzeit auskömmliche Einnahmen für die Re-Finanzierung der Grünstrominvestitionen.

Erst die Tatsache, dass ab Anfang 2021 gleich tausende alte Windturbinen aus der EEG-Vergütung fallen, haben PPA-Verträge als Finanzierungsinstrument für einen möglichen Weiterbetrieb verstärkt auf die Tagesordnung gebracht. Deshalb verwundert es nicht, dass sich nun auch in Deutschland der PPA-Zug langsam in Bewegung setzt.

Für die Fachzeitung Energie & Management und Enervis war das Anlass genug, mit einer ersten gemeinsamen Umfrage auszuleuchten, welche Erwartungen Energieversorger, Direktvermarkter, Projektentwickler und Anlagenbetreiber mit Power Purchase Agreements für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien verbinden. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Umfrage, die seit Anfang Juni vorliegen:

  • Zwei Drittel aller Befragten gehen davon aus, dass bereits 2025 bis zu 50 Prozent aller neuen Ökokraftwerke auf Basis von PPA finanziert werden. 15 % erwarten, dass es sogar mehr als die Hälfte sind.
  • Deshalb verwundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der an der Umfrage beteiligten Unternehmen, PPA als den zentralen Treiber für den weiteren Ökostromausbau in Deutschland im kommenden Jahrzehnt sehen. Die positivste Einschätzung gibt es dabei von Seiten der Projektentwickler. Allerdings halten 29 % der Teilnehmer eine solch positive Bewertung noch für zu früh. Nicht übersehen werden darf, dass 18 % der Teilnehmer PPA derzeit für überbewertet halten.
  • Diese Zurückhaltung dürfte auch mit zwei großen Hindernissen zusammenhängen, die eine Reihe von Marktakteuren bei der Umfrage genannt haben: das Ausfallrisiko des Vertragspartners sowie Marktrisiken, worunter die Entwicklung der Strom- und der Ausgleichsenergiepreise fallen. Dass PPA hierzulande noch ein neues Instrument ist, zeigt auch die Tatsache, dass Komplexität und hohe Transaktionskosten bei den Vertragsabschlüssen sowie ungünstige Finanzierungskonditionen als weitere wichtige Hindernisse genannt worden sind.

Dennoch zeigten die Ergebnisse des 1. PPA-Barometers von E&M + Enervis, „dass Power Purchase Agreements mehr als ein vorrübergehender Trend sind, sondern die Energiewirtschaft in Zukunft maßgeblich prägen werden“, urteilt Enervis-Experte Nicolai Herrmann. „Ein erheblicher Teil des Zubaus erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren wird nicht mehr EEG-gefördert sein, sondern auf PPA-Abschlüssen basieren.“

Hinweis: Nicolai Herrmann zählt zu den Referenten auf dem „11. Branchentag Windenergie NRW“, der am 26. Und 27. Juni in Köln stattfindet.

 

Kontakt:

Klaus Lorenz

Lorenz Kommunikation

Tel. +49 2182 57878-10, E-Mail: k.lorenz@lorenz-kommunikation.de